Was ein Gerüstbauer macht? "Na, Gerüste bauen", sagt Jan-Hendrik Olislagers und lacht. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Denn der 23-jährige Azubi bei der Firma Uhle Gerüstbau in Neckarwestheim muss täglich körperliche Hochleistung erbringen. Bei Wind und Wetter errichtet er für Bau- oder Renovierungsmaßnahmen Gerüste an Häuserfassaden. Daher sei es von Vorteil, wenn man schwindelfrei ist.

"Das wäre schon gut, auch wenn Gerüstbauer mal am Boden arbeiten können", erzählt Jan-Hendrik. Zwei von drei Lehrjahren hat er bereits absolviert. Vor seiner Ausbildung hatte er bei Uhle Gerüstbau schon als Helfer gearbeitet. Er wusste also, was auf ihn zukommt, als er sich für die Ausbildung entschlossen hat. "Ich kann jedem nur raten, sich vorher den Job einmal anzuschauen", sagt Jan-Hendrik. Gerüstfüße setzen, die schweren Rahmen aufstecken und Bordbretter, das heißt die Böden, auslegen: Muskelkraft ist dabei ebenso gefragt wie Arbeitswille. "Man muss bereit sein, richtig anzupacken", sagt Niederlassungsleiter Uwe Kieseberg. Wer das erfüllt, hat später gute Chancen, im Betrieb fest angestellt zu werden. "Wir bilden natürlich auch aus, um die Leute zu übernehmen", sagt Kieseberg.

Mathe ist wichtig

Nicht nur auf der Baustelle, sondern auch in der Schule muss während der Ausbildung ordentlich rangeklotzt werden. Drei berufliche Schulen für Gerüstbau gibt es in Deutschland: in Berlin, Dortmund und in Weiterstadt bei Darmstadt. In letzterer absolviert Jan-Hendrik seine theoretische Ausbildung, die einen großen Teil der Lehrzeit beansprucht. "Viele unterschätzen das und hören dann nach einem Ausbildungsjahr auf", erzählt der Azubi. Das Hauptfach Gerüstbau dreht sich vor allem um statische Berechnungen und Mathematik. "Darin sollte man schon fit sein", sagt Jan-Hendrik. Auch räumliches Denken sei von Nutzen. Besonders müssen den Schülern aber die Sicherheitsregeln in Fleisch und Blut übergehen. Zum Beispiel dass der Abstand zwischen Gerüst und Fassade maximal 30 Zentimeter betragen darf.

Aufstiegschancen

Nach der Ausbildung zum Gerüstbauer gibt es die Möglichkeit, zum Kolonnenführer und schließlich zum Meister aufzusteigen. Jan-Hendrik hat sich für eine alternative Weiterbildung entschieden: Sobald er sein drittes Lehrjahr abgeschlossen hat, wird er eine Art Studium zum Gerüstbautechniker aufnehmen. Als dieser wird Jan-Hendrik mehr im Büro tätig sein als auf der Baustelle.

Wunschberuf

Doch noch genießt er das Arbeiten im Freien, vor allem im Sommer. Wie seine Kollegen ist der Beilsteiner braungebrannt. Auch das wechselnde Arbeitsfeld gefällt ihm an seinem Beruf. "Wir sind an vielen Orten tätig", erzählt Jan-Hendrik. Uhle baut Gerüste für Wohnhäuser, Firmen, aber auch spezielle Fassaden wie Kirchen oder das nahe gelegene Atomkraftwerk. Jan-Hendrik Olislagers ist fest davon überzeugt, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Auch oder gerade weil er nicht so einfach ist, wie er klingt.

Gute Berufschancen

Für den Beruf ist keine bestimmte schulische Ausbildung erforderlich. Jan-Hendrik Olislagers hat aber den Hauptschulabschluss. Wichtige Voraussetzungen sind körperliche Fitness, Schwindelfreiheit und handwerkliches Geschick. Die Ausbildung dauert drei Jahre, in der die Azubis vor allem das Einrüsten unterschiedlicher Gebäude erlernen. Später kann man die Meisterprüfung ablegen, die Bedingung für eine Neugründung oder die Führung einer Firma ist. Die Berufschancen sind sehr gut, da Gerüstbauer gebraucht werden.

Quelle/Link: http://www.stimmt.de/news/webreporter/jobundco/2011/juli/art3230,23723